19.10.2009

Schmerztherapie

schmerzWelche Behandlungsmethoden gibt es in der Schmerztherapie?

Bei schweren Schmerzen ist oftmals eine medikamentöse Therapie erforderlich, die häufig aufgrund falscher Auswahl oder auch Zusammensetzung unzureichend ist. Beratung und Umstellung der Medikation führen vielfach zum Erfolg. Oftmals gehört in schweren Fällen auch der Einsatz sehr starker Schmerzmedikamente, sogenannter Opioide (Morphin etc.) dazu. Bei korrekter ärztlich überwachter Einnahme haben sich Sorgen vor Abhängigkeit als unbegründet erwiesen. Es gibt Abhängigkeitsstudien an über 45.000 Schmerzpatienten, die morphinartige Schmerzmittel erhielten. Nur bei 11 ließen sich Symptome der psychischen Abhängigkeit nachweisen. Das sind gerade mal 0,02 %. Damit waren unter diesen Patienten weniger Abhängige zu finden, als in der Gesamtbevölkerung, in der der Anteil mit 0,2% statistisch zehnmal so hoch liegt. Es gilt heute als gesichert, das eine sachgerechte Schmerztherapie mit Opioiden keinen Einstieg in die Drogenszene bedeutet und die Entwicklung einer Abhängigkeit von solchen Medikamenten bei chronischen Schmerzpatienten sehr unwahrscheinlich ist.

Auch bei uns wird die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) eingesetzt, ein vom Patienten selbst anwendbares schmerzloses Verfahren mit elektrischem Strom zur Schmerzunterdrückung. Auf die Haut werden Elektroden geklebt über die Stromreize gesetzt werden, mit denen die Schmerzempfindung überdeckt wird. Jede Behandlung ist auf den einzelnen Patienten individuell abgestimmt. Als zusätzliche Therapie bei bestimmten Erkrankungen haben wir hiermit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Elektrischen Strom zur Behandlung von chronischen Schmerzen nutzen wir auch bei der Methode der Rückenmarkstimulation (SCS = Spinal-Cord-Stimulation) .

So wurde bereits 46 v.Chr. von einem römischen Arzt berichtet, der die elektrischen Eigenschaften des Zitterrochens zur Behandlung von Schmerzen gichtgeplagter Menschen ausnutzte.

Seit langem haben klinische und experimentelle Studien belegt, das die Reizung bestimmter Rückenmarkanteile (Hinterstränge) über verschiedene Mechanismen zu einer deutlichen Schmerzhemmung führen kann. Mit Hilfe einer kleinen Stimulationselektrode, die mit einem miniaturisierten Impulsgeber (ähnlich einem Herzschrittmacher) verbunden wird, kann der Patient individuell und bedarfsgerecht seine Schmerztherapie steuern und somit häufig die Anzahl eingenommener Schmerzmedikamente deutlich reduzieren oder gar unnötig machen. Eine solche Neuromodulationstherapie wird ambulant durchgeführt und ist in der Regel kein großer Aufwand. Besonders chronische, neuropathische Schmerzsyndrome an der Wirbelsäule, vorallem voroperierte Patienten mit weiterhin bestehenden (Bein)Schmerzen (Postdiskotomie- oder Failed-Back-Syndrome), scheinen sehr gut auf die Therapie mittels Rückenmarkstimulation anzusprechen. Dahinter verbergen sich Patienten, bei denen häufig auch mehrere Bandscheibenoperationen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben und bei denen es z.B. durch Narbenbildung oder Entzündungen im Operationsgebiet zu anhaltenden Schmerzen gekommen ist. Eine Reihe weiterer Indikationen, wie z.B. Stumpf- und Phantomschmerzen, CRPS (Morbus Sudeck/Sympathische Reflexdystrophie) oder Nervenschmerzen nach Verletzungen und Plexusläsionen, können in einzelnen Fällen sinnvoll mit einer Neurostimulation therapiert werden. Wichtig ist in jedem Fall, daß die kausaltherapeutischen Methoden ausgeschöpft wurden und gängige schmerztherapeutische Behandlungen nicht den erhofften Erfolg gebracht haben.

Es existieren aber auch Erkrankungen bei denen Medikamente allein nicht hilfreich sein können. Dafür bietet die moderne Schmerztherapie diverse Methoden , wie Nerven- bzw. Sympathikusblockaden, Ganglionäre lokale Opioidanalgesie (GLOA), rückenmarksnahe Schmerztherapieverfahren (Epidural-/Spinalanästhesie), kontinuierliche Katheterverfahren oder die Versorgung mit Schmerzpumpen (tragbar oder implantiert).

Die Psychologische oder Psychosomatische Mitbehandlung erscheint uns aus der Erfahrung ein ganz wesentlicher Ansatz in der modernen Therapie chronischer Schmerzen zu sein. Permanenter Schmerz belastet die Psyche mit oftmals quälender Angst und Depression. Durch Passivität, Arbeitsunfähigkeit und Motivationsverlust kommt es oftmals zu Spannungen in der Familie oder Partnerschaft. Es entwickelt sich rasch eine eigene Unzufriedenheit mit Frustration und häufig fehlender Zukunftsperspektive. Gerade hier kann eine unterstützende und begleitende Psychotherapie sehr gut helfen. Eine Vielzahl von psychologischen Behandlungsverfahren sind geeignet, um z.B. Streß- und Schmerzbewältigung im Alltag zu erleichtern und den Kopf frei zu machen für die wesentlichen Dinge des Lebens.

Was ist TENS?

Die transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS genannt, ist ein Verfahren der Gegenirritation. Auf die Haut werden Elektroden geklebt über die Stromreize gesetzt werden, mit denen die Schmerzempfindung überdeckt wird.

Jede Behandlung ist auf den Einzelnen abgestimmt.

Die elektrischen Reizparameter wie Amplitude, Impulsdauer, Frequenz und die richtige Plazierung der Elektroden müssen bei jedem Patienten individuell erarbeitet werden.

Die Weiterleitung von Schmerzinformationen wird gehemmt.

Mit elektrischem Strom kann z. B. auf der Ebene des Hinterhorns die Weiterleitung von nozizeptiven Informationen gehemmt werden. Das geschieht durch die Erregung der schnell leitenden Fasern der peripherer Nerven. TENS fördert zusätzlich die Bildung von Endorphinen. Endorphine sind vom Körper hergestellte Stoffe, die Ähnlichkeit mit Morphinen besitzen und deshalb auch zur Schmerzlinderung beitragen.

Angewandt wird TENS z. B. bei neurogenem Schmerz, Phantom- und Stumpfschmerz oder bei sympathischer Reflexdystrophie.

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