19.10.2009

Impfberatung

impfungImpfberatung

In den letzten Jahren sind leider wieder vermehrt Infektionen aufgetreten, die bislang in Europa als eher selten galten. Die Impfberatung ist also heute wichtiger denn je.

Warum sind Impfungen für mich so wichtig?

Impfungen gehören zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnamen in der Medizin. Die großen Erfolge der Impfungen in der Vergangenheit haben viele sorglos werden lassen. Eltern von Kindern im Impfalter kennen die Gefahren der Infektionskrankheiten nicht mehr aus eigenem Erleben. Da in der Bundesrepublik Deutschland keine Impfpflicht besteht, wird folglich die Notwendigkeit des Impfschutzes heute nicht mehr erkannt, so dass der Impfschutz in der Bevölkerung insgesamt drastisch abnimmt. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben keinen vollständigen Impfschutz mehr.

Was bedeutet das für mich?

Infektionskrankheiten nehmen dramatisch zu, auch solche, die in Europa vor einigen Jahren nur noch sporadisch aufgetreten sind. Das Risiko an einer Infektion zu erkranken steigt also für Kinder und Erwachsene rapide an.

Wogegen sollten Sie Ihre Kinder impfen lassen?

Die Impfkommission am Robert Koch – Institut gibt in regelmäßigen Abständen die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) heraus. Routinemäßig wird mit den Impfungen im Säuglingsalter begonnen. Die ersten Impfungen finden im Rahmen der vierten Vorsorgeuntersuchung statt, etwa im Alter von drei bis vier Monaten. Von der STIKO vorgesehen werden die Impfungen gegen:
* Diphterie
* Pertussis (Keuchhusten)
* Tetanus
* Poliomyelits (Kinderlähmung)
* Haemophyhilus influenzae Typ b (HIB)
* Hepatitis B
* Masern, Mumps, Röteln

Die genaue zeitliche Abfolge besprechen sie bitte mit uns in einem persönlichen Gespräch. Wir informieren Sie auch über Auffrischungen und Nachholungen von bislang versäumten Impfungen.

Welche Impfungen sind für Erwachsene vorgesehen?

Für Erwachsene sind folgende Impfungen bzw. Auffrischimpfungen vorgesehen gegen:
* Cholera
* Diphtherie
* Gelbfieber
* Grippe
* Hirnhautentzündung – Meningokokken-Meningitis
* Kinderlähmung (Poliomyelitis)
* Leberentzündung Hepatitis A / Hepatitis B
* Lungenentzündung (Pneumokokken)
* Malaria
* Röteln
* Tollwut
* Typhus abdominalis (Bauchtyphus) / exanthematicus (Fleckfieber)
* Windpocken (Varizellen)
* Wundstarrkrampf (Tetanus)
* Zeckenbiß-Krankheit (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis – FSME)

Die Impfungen (Kategorie A) finden eine breite Anwendung und haben einen erheblichen Wert für die Gesundheit der Bevölkerung. Im Falle einer Epidemie gehört die Grippeimpfung auch in die Kategorie A Impfungen. Alle weiteren Impfungen sind sogenannte Indikationsimpfungen bei erhöhter Gefährdung von Personen bzw. Angehörigen von Risikogruppen oder sogenannte Reiseimpfungen.

Alles weitere über Ansteckung, Krankheitsfolgen, Personenkreis und Zeitpunkt der Schutzimpfungen sowie über mögliche Impfreaktionen können Sie direkt mit uns besprechen. Wir führen im Rahmen der Impfberatung die Impfanamnese durch, geben Empfehlungen über Verhaltensmaßnahmen, Erläuterungen zu Nebenwirkungen sowie zur Dauer des Impfschutzes und bescheinigen die Impfung im sogenannten Impfausweis.

Ich verreise ins Ausland, was muss ich beachten?

So selbstverständlich wie der Versicherungsschutz im Ausland sollte der Impfschutz sein. Wenn Sie also ins südliche oder (fern-)östliche Ausland verreisen, dann sollten Sie sich frühzeitig, spätestens allerdings sechs Wochen vor Reiseantritt über vorgeschriebene oder empfehlenswerte Impfungen bei uns erkundigen.

Impfschutz und Schwangerschaft

Sollten Sie eine Schwangerschaft planen, ist ein ausreichender Impfschutz von besonderer Bedeutung, da Infektionen auch auf das Kind im Mutterleib übertragen werden können und Impfungen in der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen erlaubt sind. Lassen Sie vor einer geplanten Schwangerschaft Ihren Impfpass bei ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt überprüfen. Notwendige Impfungen und Auffrischungen z.B. die Rötelnimpfung können so rechtzeitig durchgeführt werden.

Impfberatung bei Auslandsreisen

Für die Erstellung eines individuellen Impfplanes müssen gewisse Kriterien berücksichtigt werden, zum Beispiel epidemiologische Trends im Zielland, Reisestil, Reiseroute, Unterbringung oder auch spezielle Risikosituationen (Stichwort: “Sextourismus”). Auch Aufenthaltsdauer und Impfvorschriften des jeweiligen Gastlandes sind selbstverständlich wichtige Faktoren.

Injektionsstellen für Impfungen sind bei Erwachsenen der M. deltoideus (Intraglutealinjektionen sind ein Kunstfehler!), bei Kindern unter 18 Monaten der M. vastus lateralis. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien: “Die Anzahl parallel verabreichter Impfungen ist unkritisch, limitierend sind nur der vorhandene Platz am Patienten und seine Leidensfähigkeit.” Während einer Schwangerschaft können Totimpfstoffe und Toxoidimpfstoffe – sofern sie gut verträglich sind – angewendet werden, wohingegen attenuierte Lebendimpfstoffe nicht “vorsätzlich” angewendet werden sollen.

Das Basisprogramm vor einer Reise:

“Basisprogramm” bei Reiseimpfungen für alle Reisenden sind Überprüfung und Aktualisierung des Impfschutzes gegen Poliomyelitis und Diphtherie/Tetanus, Hepatitis A und B sowie eventuell Typhus. Ist eine Auffrischung der Polio-Schutzimpfung notwendig, soll auf jeden Fall dem Polio-Salk-Impfstoff der Vorzug gegeben werden.

Hepatitis A, B und Typhus abdominalis

Bei Hepatitis A besteht in fast allen tropischen und subtropischen Regionen eine hohe Endemizität, in Hochendemiegebieten beträgt die Durchseuchung schon bei Kindern fast 100 Prozent. Nach kompletter Hepatitis-A-Grundimmunisierung besteht bei 97 Prozent der Geimpften ein Schutz, der empirisch mindestens zehn Jahre anhält. Wird bis drei Wochen vor Reiseantritt geimpft, kann sich ein sicherer Impfschutz entwickeln.

Nach der Hepatitis-B-Grundimmunisierung muss auf jeden Fall – zur Verifizierung des Impferfolges – ein Antikörpertest durchgeführt werden. Kollaritsch: “Nach unseren Untersuchungen mit den handelsüblichen Hepatitis-B-Impfstoffen weisen bis zu 35 Prozent der über 60-Jährigen nach drei Impfungen keinen ausreichenden Antikörperiter auf; Männer entwickeln prinzipiell eine schlechtere Immunantwort als Frauen.”

Wesentlich ist die Schutzimpfung gegen Typhus abdominalis. Hochrisikogebiete sind Nord- und Ostafrika, Indien, Nepal, Peru und Indonesien. Einziger Vorteil des oralen Impfstoffes ist die Applikationsform; die Schutzdauer ist aber – selbst ohne Einnahmefehler – leider unklar. Prof. Kollaritsch rät daher zur intramuskulären Verabreichungsform: “Vorteile der intramuskulär zu verabreichenden Impfstoffe sind die kürzere Vorlaufzeit und dass die Verantwortung beim Arzt liegt.” Die Schutzrate liegt bei 70 Prozent. Allerdings können Kinder unter zwei Jahren nicht mit diesem Impfstoff geimpft werden.

Gelbfieber, Cholera und Japan-B-Enzephalitis

Die sehr gut verträgliche Gelbfieber-Impfung wirkt nach zehn Tagen, der Schutz hält mindestens zehn Jahre an. Nachteil ist, dass der Impfstoff bei Kindern unter einem Jahr unter Umständen Komplikationen macht und dass er größere Mengen Hühnereiweiß enthält und daher bei Hühnereiweiß-Allergikern Vorsicht geboten ist.

Indikationen für eine Cholera-Schluckimpfung sind Epidemiesituationen, “Rustikaltourismus” und Langzeitaufenthalte in gefährdeten Gebieten. Sie ist eher nicht notwendig bei typischen Badeurlauben, geführten, hochklassigen Rundreisen, Cluburlauben und auf Geschäftsreisen. Beachtet werden müssen die (gesicherten) Interaktionen des Impfstoffes mit Chloroquin, Mefloquin und allen Antibiotika. Unklar hingegen ist die Interaktion mit anderen Lebendimpfungen wie zum Beispiel Masern. Wichtig: Sicherlich keine Interaktionen gibt es mit der Gelbfieber- und Typhusimpfung.

Die Japan-B-Enzephalitis, eine virale Erkrankung ähnlich einer FSME, aber mit unangenehmerem Verlauf und häufigen neurologischen Defiziten sowie hoher Letalität, ist in Südostasien (von Indien bis Japan) verbreitet, vor allem in ländlichen Gebieten und während der Regenzeit, Überträger sind Culex-Mücken.

Nebenwirkungen können Lokalreaktionen, Fieber und anaphylaktische Reaktionen sein.
Die Impfung ist indiziert bei epidemischen Situationen, Reisen in typische Verbrei tungsgebiete, entsprechendem Reisestil sowie Langzeitaufenthalten.

“Bei Städtetourismus, Club- oder Badeurlauben oder geführtem Hoteltourismus besteht keine Indikation.”

Hochrisikogebiete bezüglich einer Meningokokken-Meningitis sind vor allem die Sahelzone in Afrika, die ostafrikanische Seenplatte und Saudiarabien. Die Impfung darf Kindern unter zwei Jahren nicht verabreicht werden; bei der Einreise in das Gastland muss die Impfung zehn Tage alt sein.

Vorsicht auch bei Reisen nach Osteuropa

“Am stärksten unterbewertet in der Reisemedizin ist die Tollwut-Impfung”, meint Kollaritsch, “vor allem wenn man bedenkt, dass es im südostasiatischen Raum, in Großteilen von Schwarzafrika und in Südamerika hochendemische Gebiete gibt, in denen die urbane Wut vorkommt, bei der der Haushund als Virsusreservoir dient und viele Touristen die Nähe dieser Tiere suchen.” Zur Verfügung stehen mittlerweile ausgezeichnete Gewebekultur-Impfstoffe.

Bei Reisen nach Westeuropa werden neben den Routineimpfungen eventuell Hepatitis A+B-Immunisierungen empfohlen, auf jeden Fall aber eine FSME-Schutzimpfung.

Für Osteuropa wird neben den Routineimpfungen ein Schutz gegen Typhus und Hepatitis-A, Diphtherie und FSME empfohlen, eventuell gegen Hepatitis B und Rabies.

Darum ist eine vorsorgliche Impfung immer anzuraten. Bei weiteren Fragen wenden Sie sie bitte direkt an uns.

Die Kommentare sind geschlossen.

Kategorien